Kürzlich habe ich hier über den international renommierten, amerikanischen Militärhistoriker Phillips D. O’Brien dahingehend berichtet, dass dieser in einem seiner Blogbeiträge von unfassbar hohen monatlichen Opferzahlen ausgeht, nämlich 30.000 bis 35.000, mit der Tendenz steigend bzw. einem von der Ukraine anvisierten Ziel von monatlich (!) 50.000 Opfern auf russischer Seite.
Auf solche Zahlen geht nun auch ein Beitrag auf dekoder ein bzw. geht konkret der Frage nach, welche Regionen in Russland durch diesen Krieg am meisten bluten müssen. Hier zeigt sich laut dem auf dekoder übersetzt vorliegenden Beitrag eines russischen Mediums eine klare Korrelation zwischen Armut und Blutzoll: je ärmer die Region, desto größer seien die jeweiligen Opferzahlen. So hätte etwa die Opferzahl in der sibirischen Region Burjatien schon jetzt den Stand des ersten Weltkrieges erreicht! Verglichen mit der (überwiegend aus ethnischen Russen bestehenden) Bevölkerung in Moskau würde das Sterberisiko für Bewohner Burjatiens 30-fach höherer liegen.
Dieser Befund passt wiederum zu dem Ansatz der deutschen Historikerin Franziska Davies, die Russland als eine Kolonialmacht betrachtet und analysiert. Diese Mächte haben schon immer gerne die unterworfenen Ethnien als Kanonenfutter für eigene Eroberungen und gewaltsamen Konflikte verheizt. Es lohnt sich sehr, ihre Beiträge auf Bluesky zu verfolgen.
Übrigens: dekoder ist eine gemeinnützige GmbH und Internetplattform, die seit 2015 danach strebt, unabhängigen Journalismus aus den Fokusregionen Russland, Belarus und Ukraine mit wissenschaftlicher Expertise aus dem europäischen Forschungsraum zusammen zu bringen und so für dringend notwendiges und tiefgründiges Wissen über Gesellschaft und Politik in und aus Osteuropa zu sorgen. Dekoder wurde mehrfach ausgezeichnet – leider (und wie zu befürchten war) auch durch die russische Regierung, dort allerdings im Juni 2024 als „unerwünschte Organisation“…
Wer dekoder mit Spenden unterstützen möchte, findet hier den passenden Ansatz.